(Achtung: langatmige Einleitung) Ich war und bin Lego-Fan. Logo. Fast jedes (männliche) Kind ist Lego-Fan und fast jeder männliche Erwachsene der westlichen Welt versucht seinen Kindern Lego überzuhelfen – meist mit Erfolg. Aber ich war als Kind auch Fischertechnik-Fan.

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Fischertechnik Grundbausteine (Foto: wikimedia commons, user Reus,CC BY-SA 3.0)

Als die Katze meiner Schwester in die Fischertechnik-Kiste gepinkelt hatte, war meine Begeisterung für Fischertechnik allerdings vorbei. Anders als bei Lego kenne ich heute niemanden persönlich, der seinen Kindern Fischertechnik schenkt. Gibt es das überhaupt noch? Ja, gibt es; sogar mit bunten Teilen. Es gibt inzwischen aber auch “Lego Technik” mit ebenso schönen Zahnrädern, Ketten, Gelenken etc. So ist es kein Wunder, dass jeder Lego kennt, aber kaum einer mehr Fischertechnik. Auch die Leute von Infento kannten das anfangs nicht. Sie kannten auch nicht das Konzept von XYZ spaceframes. Ähm. Das kennt nun wirklich niemand, obwohl es sich auch dabei um eine dänische Erfindung handelt – und die hat endlich nicht nur mit Achsen und Getrieben zu tun, sondern auch mit Fahrrädern, genauer gesagt Lastenfahrrädern. Kurz gesagt werden damit aus gängigen Aluminiumprofilen als DIY Projekt Rahmenkonstruktionen nach Open Source Plänen ohne die Notwendigkeit von Schweißverbindungen erstellt.

Mit Infento zum eigenen Kinderrad

Infento ist in Deutschland noch nicht wirklich bekannt, das soll sich mit dem jetzigen Verkaufsstart schnell ändern. Dieses Selbstbau-Konzept für Kinder-Vehikel hat definitiv das Zeug dazu, XYZ spaceframes, Fischertechnik und Lego zu schlagen – jedenfalls wenn es darum geht, dass Kinder ihre eigenen Fahrzeuge bauen können. Getroffen habe ich Spencer Rutting, einen der beiden Gründer, auf der Berliner Fahrradschau 2018. Neben dem Stand mit einer kleinen Auswahl der möglichen (aber eigentlich unendlichen) Varianten von Kein-, Zwei- und Dreirädern lag das Testareal für Kinder, und auch dort waren die Infento-Produkte gut vertreten und dauerhaft in Gebrauch.

Die Idee zu Infento hatte Spencer 2010, der schnell seinen Schwager Sander ansteckte. Die beiden findigen Designer aus Amsterdam hatten das erste Produkt 2012 startklar. Gedacht waren die Baukästen, mit denen sich jeweils eine kleine Auswahl von Fahrzeugen bauen läßt, anfangs für Kindergärten und Grundschulen als Projektmaterial. Doch der große Erfolg mit einer enormen Nachfrage führte auch zur Ansprache einer neuen Zielgruppe: Infento ist auch ideal als  gemeinsames Projekt von Eltern und Kindern geeignet. Damit startete Infento Ende 2015 ein Kickstarter-Projekt und sammelte statt der angepeilten 50.000 $ fast das 10-fache an Fundingkapital ein. Warum wußten wir davon nichts? Zuviel mit Lego gespielt???

Das tolle an Infento ist natürlich die  große Variabilität. Dadurch können die gebauten Fahrzeuge mit den sich verändernden Ansprüchen je nach Alter Schritt halten. Im Idealfall begleitet Infento die gesamte Kindheit. Noch ist es natürlich zu früh, diesen Gedanken mit der Realität abzugleichen, die Erst-User sind noch noch nicht ganz soweit für lange Auswertungen. Doch die Rückmeldungen sind scheinbar durchweg positiv. Das Unternehmen ist schnell gewachsen und hat heute bereits über 30 Mitarbeiter, exportiert in 45 Länder, hat fast 60.000 Facebook Likes eingesammelt und diverse Auszeichnungen erhalten.

Wenn das so weitergeht… wo bekomme ich nochmal Kinder her, denen ich das schenken kann?

www: https://www.infentorides.com
Fotos: Infento, Wikimedia Commons (Reus, CC BY-SA 3.0)
Text: M. Stoß

UPDATE: Ein schöner Bericht findet sich auch beim Kinderfahrradfinder, samt Gewinnspiel über ein Infento-Kit! (Teilnahme bis 30.04. 2018)