Es zeichnet sich schon lange ab: Die Grenzen zwischen den so liebgewonnenen festen Kategorien unserer Moblität verschwimmen immer mehr. Den großen Schwung bringen seit einigen Jahren die Elektroantriebe und moderne Steuerungen ins Spiel. Der Ignoranz der automobilen Zunft zum Trotz, vergeht eigentlich kein Monat mehr ohne ein neues Vehikel, dass sich der Zuweisung zu “Fahrrad”, “Roller”, “Auto” entzieht. Ein solches Fahrzeug ist das Podbike. Es stammt aus dem wetterfühligen Norwegen und sein Entwickler Per Hassel hat seine Wurzeln in der Velomobil-Szene. Mit seinen 4 statt nur 3 Rädern hebt es sich allerdings von den klassischen Velomobilen ab. Doch zu den Fahrzeugfakten weiter unten mehr. Denn was wirklich beeindruckt, ist beim Podbike das von Anfang an professionelle Erscheinungsbild. Dieses Fahrzeug stellt aus unserer Sicht alles in den Schatten, was sich bisher im Bereich Velomobile tummelt oder auch nur als Konzept-Car auf irgendwelchen Autosalons erschien und wieder verschwand.

Bevor Du noch weiterliest – bitte erst dieses Video ansehen, es hat uns den Atem verschlagen. 

Dieses Gerät verläßt gerade in einer Nuller-Serie für Testzwecke die Werkstatt und soll zunächst in Skandinavien vermarktet, dann aber auch nach Rest-Europa in die Läden kommen (wobei… ob Läden dabei noch eine Rolle spielen?). Aus formalen Gründen sind wegen der Vierrädrigkeit die amerikanischen Märkte noch draußen vor. Preisvorstellung derzeit: € 4.500,- zzgl. MWSt und Transportkosten. Das liegt auf derzeitigem Velomobil-Niveau. 

Die Begeisterung fürs Äußere soll natürlich nicht die inneren Werte verbergen: Auch der Antrieb weicht vom gewohnten ab. Die Elektrifizierung von Velomobilen ist eher gering, die meisten Benutzer schwören auf (relativ) geringes Gewicht, Windschnittigkeit und die eigene Beinpower. Beim Podbike erfolgt der Antrieb zwar pedalierend, allein schon, um die Einstufung als E-Bike zu ermöglichen. Allerdings geht die Kraft nicht auf die Kette – die gibts nicht – sondern in einen Generator, der zwei Nabenmotoren in den Hinterrädern versorgt. Ein bis drei Akkupacks bringen das Fahrzeug auf eine Reichweite von 60-180 Kilometer. Wer mehr will, kann auch noch Akkus im Laderaum verstauen – dort findet aber alternativ auch ein Kindersitz für Kinder bis 6 Jahre Platz (oder eben anderes, was man so gemeinhin mitschleppen möchte). Über eine Anhängerkupplung kann auch noch ein normaler (Kinder)-Anhänger mitgeführt werden. Solche oder ähnliche Features kennt und erwartet man von den vielfältigen Ansätzen alternativer Fahrzeugideen. Aber gerade die runde Umsetzung abseits jeder vorhandenen Kategorie (inklusive Rückwärtsgang, Hochkant-Parkstellung und Einstiegserhöhung) begeistern schlichtweg. 

Warum, so fragt man sich irgendwann, investieren eigentlich die großen Konzerne mehr in Affen- und Menschenversuche, statt mal wirklich ihr geballtes Ingenieursgehirnschmalz in nachhaltige Techniken zu stecken? Hat das vielleicht am Ende gar nichts mehr mit Innovation sondern nur noch mit Abschöpfung von Gewinnen für längst ausentwickelte Technologien zu tun? [Achtung, rhetorische Frage]

Übrigens: ein ganz ähnliches, doch deutlich hausbackeneres Fahrzeug wird parallel in Schweden entwickelt, noch dazu mit ähnlichem Namen: der PodRide. Was der junge Skywalker zu diesen erdgebundenenn Modellen eines Pod-Race sagen würde, wissen wir nicht, aber immerhin sind diese beiden E-Bikes auch ohne Renderfarmen in Bewegung zu setzen.

Fotos/Video: podbike.com
Text: M. Stoß