Wer hat nicht schon die elenden Plastikflaschen verflucht, die einem überteuert bei heißen Wanderungen durch die Städte an jeder Bude angeboten werden – und dennoch gekauft? In Italien kennt jeder Tourist das dagegen anders: wenn die Sonne vom Himmel sengt, spenden die dort weit verbreiteten öffentlichen Brunnen gratis Trinkwasser ohne Plastikmüll. In vielen Städten ausserhalb Italiens gibt es ähnliche Brunnen, alte und neue, aber sie bleiben ein aufwändiges Vorhaben und sind relativ selten.

Wer ein solches Logo sieht, darf sich dem frischen Nass schon ganz nahe fühlen.

Kann man Trinkwasser aus der Leitung daher nicht auch anders günstig zu den Dürstenden bringen? Das hat sich Natalie Fee 2015 in Bristol gefragt, als sie ihren Kampf gegen die Berge an Plastikmüll aufgenommen hatte, die täglich allein durch die Einwegflaschen entstehen. Jedes Cafe, jeder Laden hat einen Trinkwasseranschluss. Es müsste doch möglich sein, die Betreiber zu motivieren, beim Kampf gegen den Plastikmüll mitzumachen. Ihre coole (Achtung Wortspiel) Idee: “Refill” Stützpunkte an jeder Ecke, wo sich Dürstende ihre mitgebrachten Flaschen mit gratis Trinkwasser aus der Leitung auffüllen können. Der Gedanke überzeugte: seit September 2015 beteiligen sich allein in Bristol 200 Stationen. Auch im übrigen Europa nimmt das Konzept immer mehr an Fahrt auf (ja… die Insel gehört dazu, Brexit hin oder her). In Deutschland hat sich bereits eine lange Liste an Städten gebildet, ausgehend von einer Initiative in Hamburg. Die zugehörige App (kann man noch Brötchen kaufen ohne eine solche?) ist für deutsche User noch wenig hilfreich, man kann nur die Stadt des jeweiligen Gerätestandortes einsehen und die Punkte auf der App-Karte sind nicht aktuell. An sich soll sie noch weiter motivieren, Leitungswasser an den verzeichneten Stationen abzufüllen: Mit jeder Nutzung verdient man sich Punkte und kann sie am Ende z.B. in eine stylische Metalltrinkflasche umsetzen.

Interessenten für eine Refill-Station kleben einfach das Logo ans Fenster und teilen ihrer nächstgelegenen Stadt per Mail ihre Kontaktdaten und Öffnungszeiten mit. Fertig. Die Liste über deutsche Refill-Stationen kann sich bereits sehen lassen. Manche Städte haben auch bereits Sponsoren für den Service rund ums gratis Trinkwasser mit ins Boot geholt, z.B. Berlin mit den Berliner Wasserbetrieben. Die haben auch gleich mit dafür gesorgt, dass die von ihnen betriebenen öffentlichen gratis Trinkwasserbrunnen mit auf der Karte verzeichnet sind – deutschlandweit die dichteste Konzentration. Geht doch.

Trinkwasserbrunnen der Berliner Wasserbetriebe

Trinkwasserbrunnen der Berliner Wasserbetriebe

Private Haushalte können sich nicht beteiligen, das Konzept bleibt auf Läden, Cafés und andere Einrichtungen mit Öffnungszeiten beschränkt.  Kleiner Tip für die unmobilmanischen Zeiten zuhause: Natürlich entlastet das Trinken von Leitungswasser statt aus Plastikflaschen auch dort den Geldbeutel und die Umwelt. Wer gerne Wasser mit Kohlensäure trinkt, kann zuhause auch auf die üblichen CO2-Sprudler zurückgreifen. Dafür muss man sich nicht schämen… 😉

Refill Großbritannien – die Mutter aller Refill Stationen: www.refill.org.uk/
Refill Deutschland refill-deutschland.de/
Info der Deutschen Umwelthilfe zu Plastikflaschen: www.duh.de

Text: M. Stoß