Der Tod des Diesel in Raten: Der Hamburger Wirtschafts- und Verkehrssenator Frank Horch hatte noch im Januar mit breiter Brust ein Diesel-Fahrverbot abgelehnt. Mit Übernahme des Vorsitzes der Landesverkehrsministerkonferenz galt dies als starkes Signal gegen die Pläne von Bundesumweltministerin Barbara Hendriks, Fahrverbote in den Städten zu ermöglichen. Der Senator verstand sich dabei auch als Verteidiger der sozialen Gerechtigkeit:

“Außerdem haben wir unterschiedliche Interessen zwischen den Stadt- und Flächenländern zu beachten. Gerade in ländlichen Gebieten ist Mobilität, die durch ein privates Auto ermöglicht wird, eine soziale Frage.”

Die Austrocknung des Öffentlichen Nahverkehrs auf dem Land darf demnach wohl ebenfalls als Beitrag zur sozialen Gerechtigkeit gelten.

Nun also die Kehrtwende? Hamburg führt als erste Großstadt in Deutschland ein Diesel-Fahrverbot auf ausgewählten Strecken mit hoher NO2-Belastung ein. Damit dürfen KFZ unterhalb der Euro 6 Norm nicht mehr auf der Max-Brauer-Allee in Altona und ältere LKW nicht mehr auf einem Teilstück der Stresemannstraße fahren. Für Anlieger, Lieferfahrzeuge und andere sollen Ausnahmen gelten. 

Schaut man genauer hin, so darf man zweierlei feststellen: Hamburg macht auch nur halbe Sachen, denn die Reduzierung soll nach den Worten von Umweltsenator Jens Kerstan nach wie vor weitgehend ohne Fahrverbote auskommen: 

Wir verteilen die Schadstoffe von hochbelasteten Straßen so, dass andere Straßen mehr belastet werden, ohne die Grenzwerte zu erreichen“

Ein bisschen Dreck für jeden, damit nicht einige ersticken. Vermutlich auch eine soziale Lösung. 

Als erster Automobilhersteller sieht Volvo die Frage etwas anders: Der Konzern verabschiedet sich endgültig vom Dieselmotor. Man sollte sich da keinen Illusionen hingeben. Das ist kein Umweltbekenntnis, sondern wirtschaftliches Kalkül. Die sinkenden Zulassungszahlen für Diesel-PKW sind ein überdeutliches Zeichen, auch wenn sie nicht auf eine gesteigerte Sensibilität für die in Stickoxidwolken gehüllten Mitmenschen zurückzuführen sind, sondern auf die Furcht vor einem Diesel-Fahrverbot. Schon wieder eine Entwicklung, die man in Deutschland nicht wahrhaben will. Die deutsche Autoindustrie reitet ein totes Pferd, solange es getragen wird von der deutschen Bundesregierung. Die Kosten der verschleppten Bestattung tragen die Steuerzahler und all die Menschen, die vorzeitig an der fortgesetzten Umweltvergiftung sterben. Der Diesel: ein Tod auf Raten für die Menschen. Zeit, die Technologie zu beerdigen.

Foto: Mariordo Mario Roberto Duran Ortiz via Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)
Text: M. Stoß