Detroit ist pleite. Wieder und diesmal scheinbar wirklich. Bilder von leeren Produktionshallen kreisen schon seit Jahren durch die Medien, wenn auf die amerikanische Autoindustrie verwiesen wird, die entscheidende Entwicklungen verschlafen habe. Es ist daher nur folgerichtig, dass der Autokonzern GM just zu Zeiten der Finanzkrise zusammen mit dem Hersteller der etwas skuril anzusehenden Segway-Stehroller  an so innovativen Lösungen wie dem Puma arbeitete, einem 2-Personen-Gefährt für den Stadtverkehr.

Folgerichtig ist auch, dass dieser und andere Versuche, auf “small is beautiful” umzustellen mit der vorläufigen Überwindung der Finanzkrise wieder in der Versenkung verschwanden. Einerseits frage ich mich, ob diese Lösungen überhaupt ernst gemeint sind, solange die Bänder mit den schon erfundenen und erprobten Autos laufen, andererseits ist letztlich auch der Kunde mit verantwortlich für Top oder Flop eines Angebotes. Man denke da an die BMW C1 (gebaut zwischen 2001-2003) oder selbst an so bekannte Marken wie den Smart, die nicht gegen den Siegeszug der “Stadtpanzer” (SUVs) anstinken können.Motorroller BMW C1. Foto: turelio CC-BY-SA-2.5

Vielleicht bringen die Elektrofahrzeuge hier den nötigen Bewusstseinswandel? Allerdings, die Energiedichte von aus Erdöl gewonnenen Kraftstoffen ermöglicht für den Transport von durchschnittlich 1,3 Personen problemlos Gefährte mit 1,5 Tonnen (und mehr) Leergewicht. Bisher produzieren die Autohersteller in ihrer Elektrosparte dagegen meist nur Modelle mit modifiziertem Antrieb, ein Paradigmenwechsel findet nicht statt (wie gesagt: die Bänder mit den gewohnten Modellen müssen laufen) und das Gewicht bleibt entsprechend. Ein Elektroantrieb in einem herkömmlichen Wagen kann aber das gewohnte (und beworbene) Nutzerverhalten derzeit nicht bedienen: er macht bei Volllast schnell schlapp, muss über lange Zeit aufgeladen werden und benötigt damit auch meist spezielle Ladeinfrastruktur (hier ist es natürlich prima, wenn sich die großen Energieversorger als Partner anbieten…).

Renault Twizy. Foto: J.Hammerschmidt CC BY 3.0Dass es auch anders geht, zeigt z.B. Renault seit 2011 mit dem Twizy, einem Fahrzeug für 2 Personen mit unter 600kg und einem normalen Schuko-Ladekabel. Ein spektakulärer Verkaufsschlager scheinen die kleinen Flitzer dennoch nicht zu sein, es gibt Wochen, da sieht man im Berliner Stadtverkehr keinen einzigen. Irgendwie scheint es, liegen die Autohersteller mit ihrer herkömmlichen Produktpalette noch immer richtig, die deutschen Marken sowieso, denn der Export brummt. Solange wir die Wagen noch weltweit loswerden, die sich zuhause zunehmend als Dinosauriertechnik erweisen, mag die Rechnung aufgehen. Bleibt uns der Anblick von Industrieruinen in Wolfsburg oder Stuttgart also erspart? Mag sein – aber vielleicht stecken die Konzerne doch lieber noch mehr als bisher ihren Erfindergeist in die kleinen Lösungen, denn Zukunft ist Veränderung.