Das selbstsichere Gehabe der meisten Autobauer, Autonomes Fahren raube den “Fahrspaß” und komme für sie erstmal nicht in die Tüte, ist inzwischen genauso selbstsicheren Verlautbarungen gewichen, man werde Google nicht allein den Markt überlassen. Unsere Industrie bereitet sich mittels Kooperationen auf den Paradigmenwechsel vor und wer auch immer am Ende das Rennen macht, die Entwicklung selbst scheint unausweichlich. Sind unsere Gesellschaften darauf vorbereitet? Ist es unsere Infrastruktur?

Das eigene Auto als Statussymbol hat an Attraktivität eingebüßt – kann es als Werkzeug in Zukunft besser punkten, wenn es dem Fahrer Fahrgast Zeit zurückgibt, indem man/frau sich nicht mehr auf den Verkehr konzentrieren muss? Ermöglicht autonomes Fahren vielleicht der wachsenden Zahl von Senioren, die den Schulterblick nicht mehr beherrschen, eine fortgesetzt sichere Mobilität für sich und ihre Umwelt? Sorgen autonome Fahrzeuge für mehr Regeltreue und weniger Einsatz des Autos als Waffe? Mit der absehbaren Verbreitung solcher Fahrzeuge stehen durchaus viele positive Aspekte im Raum. Eine neuere Untersuchung von KPMG hat jedoch auch gerade einen mächtigen Haken an der Sache aufgezeigt: der Autoverkehr könnte sich nicht nur wandeln, er könnte auch enorm zulegen.

Senioren beim Autofahren

Klappt es noch immer mit dem Schulterblick? Sehen noch ok? (Foto: Fotolia – Peter Maszlen)

Demnach ist es die große Gruppe von zu jungen oder zu alten Menschen, die mit der Möglichkeit des autonomen Fahrens erstmals oder wieder auf die Fahrbahnen drängen. Für die USA könnten die erhobenen Werte bedeuten, dass bei einer jetzigen Gesamtfahrleistung von 3,1 Trillionen Meilen eine weitere Trillion an Fahrleistung hinzukäme, etwa zu gleichen Teilen bedingt durch einen Bevölkerungszuwachs und durch Nutzergruppen, die bisher auf Autofahrten verzichten (müssen).

Ein weiterer Faktor, der sich nach dieser Studie negativ bemerkbar machen und diese Zahlen noch massiv steigern könnte, sind leer fahrende autonome Fahrzeuge. Hierzu sollte man bedenken, dass sich die Frage zwar in dieser Entwicklungsphase noch nicht stellt, in der immer ein “Fahrer” zum Eingriff bereit sein muss und die Furcht vor gehackten Fahrzeugen umgeht. Das Konzept Autonomes Fahren birgt aber diese Möglichkeit und eröffnet damit auch weitergehende Nutzungsmöglichkeiten. Die Frage wäre dann, sind autonom leer zu neuer Nutzung fahrende Autos besser als leer am Straßenrand wartende?

Wie sieht es darüberhinaus mit vermehrter Nutzung aus? Es gibt eine schwer quantifizierbare Gruppe von Führerscheininhabern, die sich so unsicher im Verkehr fühlen, dass sie ihre einmal gemachte Fahrerlaubnis nicht nutzen – das Bedürfnis nach individueller Mobilität mit dem Auto ist damit aber nicht geschwunden, auch diese Menschen werden zusätzlich auf ein Angebot für Autonomes Fahren zurückgreifen wollen, wenn sie nicht mehr selbst für dessen Kontrolle zuständig sind.

Auch wenn man davon ausgehen kann, dass die Entwicklung ausgereifter Systeme noch lange dauern wird: Wie haben wir uns unsere Städte vorzustellen, wenn sich an unserem hochproblematischen Mobilitätsverhalten nichts ändert? Wachsende Großstädte, verdichteter Raum – und gleichzeitig erhöhte Anteile des Autoverkehrs? Die Möglichkeiten autonomen Fahrens scheinen mir durchaus positiv. Die Folgen einer vorbehaltlosen Technikgläubigkeit vielleicht weniger.

(Fotos: Steve Jurvetson, CC BY 2.0; Peter Maszlen, Fotolia)