Piaggio ist für die Vespa bekannt, eine Ikone der individuellen Mobilität auf 2 Rädern, etwas für Nostalgie-Fans. Die zeitgemäße Antwort von Piaggio auf Elektromobilität und autonomes Fahren sieht anders aus: Mit “Gita” (ital. für “Ausflug”), einem knubbeligen Lasten-Roboter, startet das in Boston angesiedelte Tochterunternehmen Piaggio Fast Forward (PFF) eine etwas andere Revolution auf 2 Rädern. 

"Gita" Einkaufsroboter (Foto: PiaggioFastForward)

“Gita” Einkaufsroboter: passt auch in den Aufzug (Foto: PiaggioFastForward)

Das Unternehmen verfolgt dabei ein ambitioniertes Ziel, “Gita” soll nur der Anfang sein:

PFF is pioneering the intelligent movement of people and goods
at just the right scale: larger than aerial drones but smaller
than cars and trucks.

[PFF betritt Neuland bei der Entwicklung intelligenter Fortbewegung von Menschen und Waren im angemessenen Maßstab: Größer als Flugdrohnen aber kleiner als Autos und Lastwagen.]

Gita folgt einem Menschen zum Beispiel als Einkaufsroboter getreulich auf dem Weg vom Supermarkt zum Zuhause, gleitet um Ecken, selbst wenn der Benutzer darum herum verschwindet und kehrt nach getaner Arbeit auch selbständig wieder zum Ausgangspunkt der Reise zurück, falls gewünscht. Der Kleinroboter bekommt dabei die nötigen Wegeinformationen über die onboard-Sensoren hinaus auch über ein nach vorn gerichtetes Kameramodul, das der Benutzer als Gürtel trägt. Er ist schnell genug, um auch einem Radfahrer zu folgen.

"Gita" Einkaufsroboter Stauraum (Foto: PiaggioFastForward)

“Gita” Einkaufsroboter Stauraum (Foto: PiaggioFastForward)

 

"Gita" Einkaufsroboter Stauraum (Foto: PiaggioFastForward)

“Gita” mit Einkauf (Foto: PiaggioFastForward)

 

Man mag noch diverse Tücken an diesem Einzelkonzept erkennen, vom Treppensteigen, über Diebstahlschutz der sicher (nur anfangs?) nicht ganz billigen guten Stücke bis hin zu Haftungsfragen, wenn mal jemand über den runden Gefährten stürzt oder ein Schlagloch den gut gefüllten Einkaufsrobbi in eine Bowlingkugel für den Fußweg verwandelt. Aber die Möglichkeiten, die sich mit diesem Gefährt erschließen, liegen weit jenseits der Tauglichkeit als Einkaufsroboter. Sie klingen durchaus verlockend. PFF sieht es so:

… we seek to promote more vibrant cities filled with pedestrians, cyclists, and skaters whose mobility is enhanced by new varieties of smart vehicles.

[… wir streben danach, lebendigere Städte zu schaffen, mit Fußgängern, Radfahrern und Skatern, deren Mobilität durch neue Arten von smarten Fahrzeugen erweitert wird.]

Der Umbruch in der städtischen Mobilität zeichnet sich schon jetzt ab, alte Konzepte erweisen sich als zunehmend überholt.

Wir wissen noch nicht, wie die Möglichkeiten zur autonomen Bewegung unsere Mobilität zukünftig verändern wird, aber es scheint schon jetzt klar, dass die traditionellen Antworten von mehr Straßenraum für traditionelle Fahrzeuge nicht taugen (- wenn sie denn jemals getaugt haben). Gerade in Deutschland täten wir gut daran, dies in unserer mittel- und langfristigen Planung zu berücksichtigen. Piaggio hat dem mit “Gita” bereits entsprochen. Die Bostoner Tochter plant bereits weitere Elemente dieser neuen Vision. Man darf gespannt sein.

Fotos: PiaggoFastForward

Text: M. Stoß