Eine Gruppe von japanischen Ingenieuren aus dem Automobil- und Elektroniksektor hat sich des Themas Elektro-Rollstuhl angenommen. Wobei Rollstuhl eher als Startbegriff dienen kann, das Vehikel mit dem Namen “Whill” wird von seinen Entwicklern als “Persönliches Mobilitätsgerät” betrachtet und als “für jedermann” geeignet angepriesen. Wenn letzteres auch angesichts des Preises von fast 10.000,- $ übertrieben scheint, so stecken doch einige pfiffige Ideen in dem Gerät, die es uns hier vorstellen lassen.

Die zentrale Neuerung sind die besonders aufgebauten kleineren Vorderräder, “Omni Wheel” genannt. Sie bestehen aus einzelnen Segmenten, von denen ein Teil an einer um 90° zur Fahrtrichtung ausgerichteten Achse rotieren kann. Damit sind extrem enge Kurvenradien fahrbar, was dem Whill eine sehr hohe Manövrierbarkeit in engen Räumen verleiht. Die Räder kommen auch mit unterschiedlichstem Terrain zurecht. Der Sitz läßt sich bei stehendem Gerät für die Platzierung an einem Tisch etwas nach vorne und oben fahren. Die geringen Abmessungen von ca. 82cm Länge bei einer Breite von 60cm tragen noch zur Wendigkeit bei, lassen den Whill aber auch besonders leicht im Auto verschwinden. Allerdings kann man ihn aufgrund des Gewichtes von 90kg (incl. Batterien) nicht einfach in den Heckraum heben, sondern muss ihn mittels Rampenblechen in den PKW fahren. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei ca. 9km/h, die Reichweite bei ca. 20 Kilometern. Die Ladezeit beträgt 5 Stunden.

Gesteuert wird der “Whill” über einen Joystick an der Armlehne, ein übliches Prinzip, und optional auch durch eine Smartphone-App – bisher eher unüblich. Der Name des Whill lässt an Assoziationen wie “Will”/Wille, “Wheel”/Rad oder auch “Hill”/Hügel (dank der Kletterfähigkeit von bis zu 10°) denken. Alles in allem ein interessantes Gerät als Alternative zu den sonst eher klobig-großen Rollstühlen, mit denen viele bewegungseingeschränkte Menschen heute noch zurechtkommen müssen. Auch wenn die Entwickler den “Whill” ausdrücklich nicht als medizinisches Hilfsgerät beschreiben und er keinerlei entsprechende Zulassung für solche Zwecke beitzt, so ist doch der Nutzen für diese Zielgruppe klar erkennbar.

Es bleibt die Frage, warum sich ein erfahrenes Entwicklerteam nach diversen sicher kostenintensiven Vorarbeiten bei einem Produkt, das ca. 10.000,- $ kosten soll über Kickstarter gerade mal 30.000,- $ über eine Crowdfunding-Kampagne besorgen will. Die gegebene Erklärung scheint eher lau. Naheliegender ist wohl, dass Kickstarter mittlerweile auch oft schlicht als eine große Werbemöglichkeit gesehen wird. Aber bei einem so viel versprechenden Gerät machen wir da gerne mit 😉


(Alle Fotos: Whill)