Radfahrer, die einen hohen Fahrbahnanteil bei ihren Touren haben, kennen das permanent mulmige Gefühl, wenn sich von hinten dröhnend ein Fahrzeug nähert. Wird der Fahrer den Sicherheitsabstand einhalten oder hat man in letzter Sekunde ein Nah-Tod-Erlebnis auf 30cm Überholabstand? Der Schulterblick beim Abbiegen ist unersätzliche Lebensversicherung, aber manchmal möchte man einfach nur kurz wissen, was hinter einem so passiert. Die ganz simple und altbekannte Lösung ist ein Fahrradspiegel am Lenkerende. Verschiedene Hersteller wie Zefal oder Busch & Müller bieten hier Lösungen an. Auch als Fahrradhelm-Ergänzung finden sich Modelle, die quasi einen Minispiegel vor das Gesicht schwenken.

Ich selbst trage – wohlüberlegt – keinen Fahrradhelm, der fällt als Verankerung also aus. Die Kratzer an den Handgriffen meines Rades von diversen Anlehnmanövern zeugen davon, dass ein Spiegel sehr robust zu sein hätte. Gibt es Alternativen?

Ein Fahrradspiegel fürs Handgelenk

Schon vor einiger Zeit habe ich mir als Lösung einen RearViz-Handgelenkspiegel gekauft (auch sonstwo am Arm tragbar…). Die australische Firma bietet das Modell in drei verschiedenen Ausführungen an, eine “Slim-Line”, eine “Sport” und eine “Classic”-Version, verfügbar in verschiedenen Farben. Die Slim-Line Version, die ich benutze, hat einen etwas kleineren Spiegel und ein flexibles Armband als Befestigung, die anderen Modelle verfügen darüberhinaus über eine etwas festere und größere Basis und die Möglichkeit, eine Kamerahalterung statt der Spiegelfläche einzusetzen. Damit kann man dann z.B. eine Go-Pro am Handgelenk tragen. Der Clou der Halterung bei allen Modellen ist der dreiteilige Aufbau. Der untere Teil als Basis des Fahrradspiegels ist für die Befestigung verantwortlich. Der obere Teil dient als Deckel und  enthält auf der Innenseite geschützt den eigentlichen Weitwinkel-Spiegel. Er wird aufgeklappt und durch die entsprechend gewählte Neigung auf das gewünschte rückwärtige Sichtfeld eingestellt. Der mittlere Teil ist auf der Basis drehbar gelagert. Damit kann man den Spiegelteil auch seitlich prima einstellen und erreicht wirklich jeden angestrebten Sichtbereich.  Das unterscheidet den RearViz entscheidend von einem ähnlichen Ansatz, von dem ich vor kurzem gehört habe, der aber seit mindestens 2013 am Markt ist, dem BackEye Handgelenkspiegel, den es auch in Kombination mit einem Fahrradhandschuh gibt. Leider habe ich hierzu keine Hersteller-Website gefunden, bestellen läßt sich dieser nur in einer Richtung verstellbare Spiegel aber wohl aktuell immer noch. 

Der kleine Klappspiegel in der Slim-Version läßt Fahrzeuge erkennen.

In der Praxis funktioniert der Handgelenk-Spiegel von RearViz sehr gut. Selbst diese kleinere Version bietet einen guten Sichtbereich. Als Fahrradspiegel-Anfänger ist man allerdings geneigt, oft während der Fahrt an der Einstellung herumzuspielen – nicht gerade eine Verbesserung der Sicherheit, also besser schön vorsichtig in ruhigen Straßen die beste Einstellung herausfinden. Diese dann auch bei jeder Fahrt neu einzustellen ist dann tatsächlich ein kleiner Haken an dieser flexiblen Anbringung, vielleicht hilft eine Markierung, benötigt habe ich das bei der Benutzung nach einer Weile nicht. Statt dessen habe ich mich nach etwas Herumtesten gefreut, dass auch nur eine kleine bewusste Veränderung der  Armhaltung sofort mit einer deutlichen Veränderung des Sichtfeldes einhergeht. Das kann man z.B. benutzen, um im allgemeinen den Verkehr hinter sich im Auge zu behalten, bei Gelegenheit aber auch einmal kurz auf die Radfahrer hinter sich einzuschwenken,  (Kinder, Kumpels, Kirchentagsbesucher). Der Fahradspiegel verstellt sich im Sitz am Arm eigentlich weder auf Kleidung noch auf bloßer Haut und wenn man kurz im Supermarkt oder beim Bäcker einkehrt, klappt man ihn einfach zu. Vibrationen sind quasi nicht-existent, weil der Spiegel durch den eigenen Körper super abgefedert wird – ist glaube ich auch ziemlich unabhängig von der aufs Rad gebrachten Federungsmasse 😉

Fazit

Eine Weile bin ich so damit gefahren. Irgendwann habe ich dann festgestellt, dass ich doch kein Spiegeltyp bin. Die Unsicherheit beim Nahüberholen bleibt, ein Schulterblick ist nun wirklich keine große Sache und verschafft sofort 1:1 Klarheit und letztlich ist auch der RearViz ein Teil mehr, das man irgendwo vergessen kann. Vor einiger Zeit habe ich ihn wieder eingesteckt, um für Fahrten mit einem Kasten-Lastenrad ein besseres Bild der rückwärtigen Situation zu bekommen, kurz bevor man sich ordentlich umschaut. Ein intensiver Schulterblick bei schnellerer Fahrt geht u.U. doch mal mit einer Lenkbewegung einher und die gilt es zu vermeiden. Hier käme aber auch ein fest montierter Spiegel in Frage.

Am Ende eine gute Sache für Fahrradspiegel-Fahrer, mit ca. 40,- € (incl. Versand) allerdings nicht ganz billig.

Fotos: RearViz, M. Stoß
Text: M. Stoß