Die uneingeschränkte Motormanie in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts war noch kurz nach dem 2. Weltkrieg nicht gesellschaftlicher Konsens. Die Auswirkungen, die die rücksichtlose Ausrichtung auf den motorisierten Straßenverkehr bald zeitigen sollten, waren für die Menschen in den Städten der USA jedoch schon früher als anderswo zu erkennen. Dennoch wundert man sich über eine Produktion von Walt Disney aus dem Jahre 1950, in der Goofy als eine Art Dr. Jekyll und Mr. Hyde seine zwei Gesichter offenbart, je nachdem, ob er sich als Fußgänger oder Autofahrer bewegt. Der kleine Film beginnt mit einer unheilschwangeren Vorausahnung:

“The motor car in the hands of the average man, is rapidly facing extinction”

[“Wenn die Kraftfahrer weiter so unvernünftig fahren, wird es bald keine Autos mehr geben”, in der deutschen Synchronisation]

Nun, wir wissen, dass Autos im städtischen Verkehr nicht ausgestorben sind, auch wenn das unvernünftige Verhalten geradezu zum politischen Programm erhoben wurde. Ganz im Gegenteil hat die Massenproduktion von KFZ und die anhaltende Motormanie in der Welt zwar einen hohen Preis, er wird aber noch immer akzeptiert. Die Wandlung von Mr. Walker zu Mr. Wheeler ist ein Teil davon, und auch heute noch gehört es zu den befremdlichsten Erfahrungen, die Menschen machen können, wenn sie sich hinter das Steurrad eines Autos setzen und ihr eigenes Verhalten einmal reflektieren. 

Text: M. Stoß