Nun, WNBR kürzt eigentlich etwas anderes ab: World Naked Bike Ride – aber so in etwa hat unser Titel die Sache doch getroffen. An diesem Wochenende war es wieder soweit: weltweit versammelten sich ganz oder teilweise unbekleidete Radler, um zu einer Radprostest- und Körperkulturmanifestation aufzubrechen. Es gibt keinen Zwang zur völligen Nacktheit, das Motto lautet schlicht: So nackt, wie du dich traust (“As bare as you dare”).

Angefangen hat alles 2004 mit dem ersten WNBR, an dem 28 Städte in 10 Ländern teilnahmen. Von einem Protest gegen die Ölverschwendung und einer starken Betonung der Freikörperkultur verschob sich die Motivation der Nacktradler bald in Richtung Aufklärung im erweiterten Sinne, entlang einer Linie “Schaut wie verletzlich wir sind”. 2010 nahmen bereits 74 Städte in 17 Ländern teil, die Teilnehmerzahlen sind jedoch sehr unterschiedlich und in mancher Stadt konnte sich die Veranstaltung nicht wirklich etablieren. Besonders stark ist die Nacktradler-Bewegung in den USA, Kanada und Großbritannien –  aber auch Spanien war von Anfang an dabei. In Deutschland sind mit Leipzig, Dresden, München und Berlin auf der Organisationsseite lediglich 4 Städte zeitweilig vertreten. Die längste Tradition hat hier noch München mit seit Jahren jeweils 2 Dutzend Teilnehmern. In Berlin war zuletzt 2011 eine Gruppe anläßlich der zeitgleich stattfindenden bundesweit bekannten ADFC-Sternfahrt unterwegs, für 2014 scheint die Teilnahme am kommenden Wochenende stattzufinden, genauso wie für Dresden. Leipzig musste am vergangenen Samstag allerdings verzichten, Ordnungsamt und Gericht sahen hier scheinbar Gemeinwohl und Sitten gefährdet. Warum in einer spanischen Stadt wie Saragoza eine solche Nacktkundgebung stattfinden kann, in Ostdeutschland mit seiner ehemals angeblich so etablierten FKK-Szene sich Sodom und Gomorrha abzeichnen, noch dazu wo Leipzig nach Berlin schon als neue Trendszene gehandelt wurde? Diese Antwort müssen wir leider schuldig bleiben.

Unter den Städten, die sich von solcherlei Bedenken nicht abschrecken lassen, kann Portland (Oregon) die größte Schar an Fans versammeln und auf die abendliche Piste schicken, London ist dagegen vielleicht der bekannteste Veranstaltungsort. Dort ist der nackte Radprotest am kommenden Wochenende angesetzt. Im Anschluss an die WNBR lassen die Nackt- und Halbnacktradler dann oft noch eine große Party steigen, alles völlig gesittet, denn wie heißt es in Portland:

“Wenn du denkst dies wird eine Orgie, dann wirst du sehr, sehr enttäuscht werden.

Wir benutzen Nacktheit als ein Mittel, um die Aufmerksamkeit auf das Rad fahren und den Irrsinn der Ölabhängigkeit zu lenken. Wir hoffen, Autofahrer werden so langsam den Verdacht bekommen, Radfahrer hätten mehr Spaß und folglich sei der Nutzen von Autos vielleicht nicht so groß wie gedacht.”

 

Wer sich das WNBR Video aus Portland anschaut, kann den Spaßfaktor wohl bestätigen, auch wenn Nicht-Nudisten sich wohl mit dem Gedanken an eine Beteiligung vielleicht erst einmal schwer tun, aber wenn man sich überwunden hat, soll es ja laut einem Mitfahrer im Video ganz einfach sein:

“Wenn du erst mal drin bist, ist es wie in einem Fluss, du fließt mit und du kannst nicht mehr anhalten”

Also… für nächstes Jahr einmal den Besuch in Leipzig vorplanen…