LKW, private PKW und auch Taxis sollen am Tage von der zentralen Londoner Kreuzung Bank Junction verbannt werden. Diese Pläne hat die “City of London Corporation” bekannt gegeben. Die Unfallhäufigkeit sei einfach zu hoch. In den letzten 5 Jahren sind hier 31 Fußgänger und 34 Radfahrer verletzt worden, eine Radfahrerin starb 2015 unter einem LKW, was die Überlegungen ins Rollen brachte. An dieser Stelle in unmittelbarer Nähe der berühmten Bank of England treffen sich 6 Straßen und der Verkehrsfluss ist sehr zäh. 

Chris Hayward, Vorsitzender des Planungs- und Transportausschusses sagte zu den Plänen:

Bank Junction ist derzeit verstopft, gefährlich und abgasbelastet und die Kreuzung funktioniert für niemanden gut – nicht für Radfahrer, nicht für Fußgänger, nicht für Autofahrer. (Quelle: cityam.com)

Von der Aussperrung zwischen 07:00 und 19:00 Uhr an Werktagen erhoffen sich die Initiatoren eine Entschärfung der Unfallgefahren und eine Verbesserung für den Busverkehr. Verbotswidriges Einfahren würde – wie in London üblich – automatisch über eine Nummernschildidentifikation überwacht und mit einer Strafe von 130 GBP (ca. 150€) bestraft. Wenn diese Vorlage in der nächsten Beschlusssitzung am 15. Dezember abgenickt würde, könnte die 1- bis 1,5-jährige Testphase bereits im April 2017 beginnen. Entsprechend verärgert und aufgeschreckt sind die Taxifahrer. Der Londoner Taxifahrerverband beklagte sich laut einem Beitrag auf road.cc bereits darüber:

Das ist wohl seit langer Zeit der verrückteste Plan, den jemand vorgeschlagen hat. In Wirklichkeit werden Taxis von professionellen Fahrern gesteuert und es sind leicht verfügbare Fahrzeuge, die mit niedriger Geschwindigkeit fahren. Busse sind häufiger bei Unfällen beteiligt… Wenn es nach der Anzahl der Unfälle geht, sollten Busse ausgeschlossen werden” (Quelle: road.cc)

Insbesondere die vorgebliche Professionalität von Taxifahrern ist Gegenstand des Großteils der überwiegend ironischen Kommentare auf road.cc. Die Pläne der City of London Corporation basieren allerdings bezogen auf die Taxis nicht auf deren Unfallträchtigkeit, sondern darauf, dass diese zu einem großen Teil zum zähen Verkehrsfluss beitrügen.

Die Bedeutung dieser Maßnahme ist vielleicht weniger in der Sperrung einer einzelnen, wenn auch wichtigen, Kreuzung zu sehen, als vielmehr in dem Gesamtkontext, der es offenbar möglich macht, in London einscheidende Maßnahmen zu diskutieren und am Ende auch durchzusetzen. Hiermit gibt es noch keine autofreie Kreuzung, aber London HAT bereits eine effektiv überwachte City-Maut, London HAT eine wirkliche Bevorzugung des öffentlichen Nahverkehrs, London HAT bereits entschieden, den viel zu geringen Radverkehrsanteil durch massive Förderung hochzubringen, London HAT einen Plan, wie Gefahren durch LKW entschärft werden. Die gesellschaftliche Diskussion gibt es auch dort, die Hetzkampagnen durch manche Medien sind vielleicht sogar noch schlimmer – aber am Ende siegt dort wohl die Vernunft, nicht das Automobil. Vielleicht mal ein Bildungsreiseziel für die Stadtväter von Stuttgart oder Köln?

Update: Laut einem Bericht auf road.cc sind die geplanten Änderungen nunmehr beschlossen worden: Ab vorausssichtlich Ende April 2017 ist die Durchfahrt auf dieser zentralen Kreuzung für KFZ (ausser Linienbussen) für zunächst 18 Monate in der Zeit von 07:00 bis 19:00 Uhr verboten. 

Foto: Matt Brown (lizensiert nach CC-BY-2.0)
Text: M. Stoß