Hattest Du als Radfahrer auch schon mal ein Überhol-Manöver mit 20 Zentimeter Abstand durch einen Autofahrer? Wie fühlt sich so ein Nahüberholer an? Sollte man was dagegen tun? Die Polizei in Deutschland hält sich für machtlos, sieht die Beweislage als zu schwierig an.

Nahüberholer gibt es überall

Auch in Großbritannien ist das Nahüberholen ein großes Problem. Ein einzelner Polizeibezirk, West Midland, hat hier im letzten Jahr eine Aufklärungskampagne für Autofahrer durchgeführt, die zu knapp überholten. Diese Kampagne baute für die ersten 3 Monate mehr auf Aufklärung als auf Strafmaßnahmen. Ein Polizist in Zivil gibt dabei jedes zu dicht überholende Auto an eine motorisierte Streife weiter. An einem vorbereiteten Kontrollpunkt wird der Nahüberholer gestoppt und vor die Wahl gestellt, eine Strafe zu akzeptieren oder an einer 15-minütigen Aufklärung teilzunehmen. Mit Hilfe einer beschrifteten Matte werden dabei die richtigen Abstände visualisiert. Allein die öffentliche Behandlung des Themas hat durch die Bewusstmachung in kurzer Zeit eine Halbierung der Vorfälle mit Nahüberholern im Bezirk der West Midland Polizei bewirkt. Angespornt durch diesen Erfolg, haben sich weitere Polizeibezirke gemeldet und bei den Kollegen eine Schulung gemacht. Doch auch in Großbritannien wird an der Polizeiarbeit gespart. Durch die finanzielle Ausblutung gerade im Bereich Verkehrsüberwachung zögern viele Verantwortliche bei der Polizei, sofern sie nicht – wie im Falle der West Midland Polizei mit der Stadt Birmingham –  einen Sponsor finden.

Radfahrer unterstützen die Polizeiarbeit

Der Radfahrverband “Cycling UK” ruft deshalb jetzt zur Unterstützung auf. Mit einer Kickstarter-Kampagne werden Sponsoren für die Nahüberholer-Matten gesucht. Nach einem Beitrag im britischen Guardian ist die zugesagte Fördersumme durch die Supporter innerhalb eines Tages von ca. 500 auf 7.500 Pfund angestiegen. Gebraucht werden 12.000 Pfund. Die Kickstart-üblichen Prämien sind dem Radfahrverband dabei wohl weniger wichtig, ihr Volumen reicht – ohne einen exorbitanten Einzelbetrag – rechnerisch gar nicht aus. Der Verband setzt auf freie Spenden. Die Rechnung scheint aufzugehen, scheinbar kennen genügend Leute das Problem, um dafür ein paar Pfund zu investieren.

West Midland Police Aufklärungskampagne
Kickstarter-Kampagne zur Unterstützung der Polizei-Arbeit
Beitrag im britischen Guardian

Foto: (c) West Midland Police

Text: M. Stoß